Ausbildungsbilanz für das Jahr 2015/2016

Im Rahmen einer Sonder-Landespressekonferenz haben Wirtschaftsminister Harry Glawe und die Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, Bilanz zum Ausbildungsjahr 2015/2016 gezogen. „Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern ist zweigeteilt. Einerseits sind die Chancen junger Menschen einen Ausbildungsvertrag zu erhalten, unverändert sehr gut. Andererseits fällt es - insbesondere kleinen - Unternehmen zunehmend schwerer, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe am Mittwoch.

Ein Bewerber – drei Stellenangebote
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind gegenwärtig 10.463 betriebliche Ausbildungsstellen (Vorjahr: 9.968/Steigerung um 495 Stellen) gemeldet, dem stehen 8.897 Bewerber gegenüber (Vorjahr: 8.982/Rückgang um 85 Bewerber). „Die Unternehmen wollen ihren Fachkräftebedarf nach wie vor auf hohem Niveau durch Ausbildung sichern“, so Glawe weiter. Die Zahl der unversorgten Bewerber liegt bei 433 (Vorjahr: 386/Steigerung um 47 Bewerber). „Die Jugendlichen haben noch sehr gute Chancen einen Ausbildungsplatz im Land zu erhalten. Auf einen Bewerber kommen durchschnittlich drei Stellenangebote“, betonte der Wirtschaftsminister.

Sorge um Ausbildung im Hotel- und Gaststättenbereich – auch im Handwerk werden Auszubildende gesucht
Wirtschaftsminister Glawe macht deutlich, dass er die Situation im Hotel- und Gaststättenbereich mit Sorge sieht. „Der Löwenanteil der offenen Ausbildungsstellen entfällt auf die Hotel- und Gaststättenberufe“, sagte Glawe. Von den insgesamt 1.413 unbesetzten Stellen konnten 611 Stellen in diesem Bereich nicht besetzt werden, das entspricht rund 43 Prozent. „Die Fachkräftesicherung ist für ein Tourismusland wie Mecklenburg-Vorpommern von enormer Bedeutung. Auch das Handwerk kann mittlerweile nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzen“, sagte der Wirtschaftsminister. In attraktiven, aber auch anspruchsvollen Ausbildungsberufen wie z.B. dem Anlagenmechaniker Sanitär-/Heizung-/Klimatechnik oder dem Elektroniker Energie-/Gebäudetechnik werden Nachwuchskräfte gesucht. „Im Handwerk gibt es vielfältige Karrieremöglichkeiten. So verändern sich beispielsweise durch die Digitalisierung auch die Ausbildungsberufe. Vor allem Investitionen in Aus- und Weiterbildung werden zu einem bedeutenden Wettbewerbsvorteil in den Unternehmen“, so Glawe.

Grundvoraussetzung für Weiterentwicklung sind Fachkräfte
„Die Grundvoraussetzung für eine stetige Weiterentwicklung der Unternehmen sind Fachkräfte. Diese können nur durch eine gute Ausbildung gesichert werden“, machte Glawe deutlich. Er appellierte an die Wirtschaft Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen, Ferienjobs anzubieten und sich frühzeitig um Nachwuchsfachkräfte zu kümmern. „Wichtig ist, bereits während der Ausbildung dafür zu sorgen, dass die jungen Menschen auch gern in den Unternehmen bleiben. Dazu zählt auch das Wertschätzen der Ausbildungs- und Arbeitsleistungen der Auszubildenden und Fachkräfte. Das Gesamtpaket muss stimmen. Es ist wichtig, Karrierechancen im Unternehmen frühzeitig aufzuzeigen“, sagte Wirtschaftsminister Glawe. Als Beispiele nannte er berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten, die Unterstützung von Arbeitszeitmodellen, die Familie/Pflege und Arbeit in Einklang bringen sowie Hilfe bei der Wohnungssuche.

„Die Fachkräftesicherung durch berufliche Erstausbildung ist für unsere Unternehmen immer noch der attraktivste Weg die Demografie im eigenen Unternehmen zu bewältigen. Unser gemeinsames Ziel lautet: Kein Jugendlicher darf verloren gehen – jeder wird gebraucht. Hierzu gehört eine gute und frühzeitige Berufsorientierung verbunden mit Firmenpraktika. Je besser es gelingt, junge Menschen auf eine Ausbildung vorzubereiten, desto höher steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich junge Menschen für eine duale Ausbildung entscheiden“, sagte Glawe.

Schwächeren Bewerbern eine Chance geben – Unterstützungsmöglichkeiten nutzen
Der Wirtschaftsminister warb darüber hinaus, auch schwächeren Bewerbern eine Chance auf einen Ausbildungsplatz zu geben. Es stehen umfassende Unterstützungsangebote für die Ausbildungsbetriebe zur Verfügung. „Neben der Einstiegsqualifizierung gibt es erstmals seit dem vergangenen Jahr das Instrument der Assistierten Ausbildung für Unternehmen. Das ist ein Modell einer kooperativen Ausbildung“, betonte Wirtschaftsminister Glawe. Ein Bildungsträger bietet als dritter Partner in der Ausbildung allen Seiten passende Dienstleistungen und ermöglicht so dem Betrieb, weniger leistungsstarke Jugendliche erfolgreich auszubilden.

Angebote von Durchstarten in MV nutzen
Die Fachkräfteinitiative „Durchstarten in MV“ hat in ihrem Azubi-Atlas über 1.300 Unternehmen eingestellt. Über 3.000 Ausbildungsangebote in über 300 Berufen werden für Jugendliche angeboten. „Auf der Internet-Seite werden den Jugendlichen unter anderem Ausbildungsplätze für jede Region unseres Landes aufgezeigt. Unternehmen können sich kostenlos anmelden. Außerdem gibt es viele Tipps rund um das Thema Ausbildung. Reinklicken lohnt sich also“, sagte Wirtschaftsminister Glawe abschließend. Die Initiative des Wirtschaftsministeriums und der Industrie- und Handelskammern des Landes wirbt auch künftig weiter intensiv für Ausbildungs- und Berufsperspektiven in Mecklenburg-Vorpommern. Die Kampagne wird auch im kommenden Jahr fortgesetzt.

Unbesetzte Berufsausbildungsstellen (Stand: Ende September 2016)

Berufe Anzahl Anteil in %
unbesetzte Berufsausbildungsstellen

1.413

100,0
Koch/Köchin 209 14,8
Restaurantfachmann/-frau 176 12,5
Hotelfachmann/-frau 141 10,0
Fachkraft - Gastgewerbe 57 4,0
Verkäufer/-in 46 3,3
Anlagenmech.-Sanitär-/Heiz.-Klimatech. 45 3,2
Elektroniker/in- Energie-/Gebäudetechnik 41 2,9
Kaufmann/-frau im Einzelhandel 39 2,8
Metallbauer/in-Konstruktionstechnik 32 2,3
Hotelkaufmann/-frau 28 2,0
Übrige Berufe 599 42,4

Zurück