Ausbildungsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern

Der Wirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommerns Harry Glawe und die Chefin der Regionaldirektion Nord Margit Haupt-Koopmann haben 13. Juni 2016 in Rostock über die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt informiert. „Der Ausbildungsmarkt ist mächtig in Bewegung. Viele Stellen sind noch unbesetzt. Das ist eine Chance für Ausbildungssuchende und Ausbildungsbetriebe gleichermaßen. Viele Unternehmen stehen daher bei der Fachkräftegewinnung vor besonderen Herausforderungen. Gerade kleine Unternehmen können ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen. Aus diesem Grund braucht es intensive Anstrengungen für die Ausbildung insbesondere auch benachteiligter Jugendlicher. Betriebe müssen verstärkt ihren Blick auch auf vermeintlich ungeeignete Bewerber richten. Für Unternehmen ist es eine Chance sich frühzeitig und langfristig eine Fachkraft von `der Pike´ auf auszubilden. Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen“, sagte der Minister für Wirtschaft, Bau und Tourismus Harry Glawe. In den kommenden Jahren wird sich die Zahl der Schulabgänger um die 12.000 bis 13.000 bewegen. „Um diese Schulabgänger werben nicht nur das Handwerk und die Industrie, sondern auch der öffentliche Dienst, die Gesundheits- und Pflegebranche, die Tourismusbranche, die Landwirtschaft.“

Möglichkeit der „Assistierten Ausbildung“ nutzen

Als Unterstützung bietet sich insbesondere das noch neue Förderinstrument „Assistierte Ausbildung“ an. „Das Instrument soll benachteiligte junge Menschen und deren Ausbildungsbetriebe intensiv und kontinuierlich während der betrieblichen Berufsausbildung unterstützen“, sagte Glawe. Die Durchführung obliegt einem zertifizierten Bildungsträger. Die „Assistierte Ausbildung“ gliedert sich in eine mögliche ausbildungsvorbereitende Phase (Phase I) und in eine ausbildungsbegleitende Phase (Phase II), die bis zum individuellen erfolgreichen Ausbildungsabschluss fortgeführt werden kann. Ansätze der „Assistierten Ausbildung“ überwinden die Kluft zwischen den Anforderungen der Betriebe und den Voraussetzungen der Jugendlichen, indem sie eine reguläre betriebliche Berufsausbildung durch umfassende Vorbereitungs- und Unterstützungsangebote flankieren. „Die Betriebe werden nicht alleine gelassen“, sagte Margit Haupt-Koopmann. „Sie können Unterstützung bei der Verwaltung, Organisation und Durchführung der Ausbildung und durch die Begleitung im Betriebsalltag zur Stabilisierung des Ausbildungsverhältnisses erhalten. Regelmäßige Gespräche mit den an der Ausbildung Beteiligten helfen, frühzeitig mögliche Schwierigkeiten zu erkennen und daraus Handlungsbedarfe abzuleiten. Die Unterstützung wird dabei individuell auf die Bedürfnisse der Betriebe ausgerichtet.“
Die Maßnahmen der „Assistierten Ausbildung“ sind in Mecklenburg-Vorpommern im Ausbildungsjahr 2015/2016 erstmals vergeben worden. Landesweit wurden 120 Plätze bestellt. In 2016 wurden für M-V insgesamt 158 Plätze in der Phase I (Ausbildungsvorbereitung) für „Assistierte Ausbildung“ bestellt. Phase II startet mit dem Beginn der betrieblichen Ausbildung ab August - eine Ausweitung auf insgesamt 197 Plätze ist dann möglich. Die Auszubildenden erhalten Hilfen zur Bewältigung der Anforderungen einer betrieblichen Ausbildung, zur Stabilisierung des Ausbildungsverhältnisses und zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss, z.B. in Form von Krisenintervention, Konfliktbewältigung, Alltagshilfen, Sprachförderung, Stütz- und Förderunter-richt sowie Prüfungsvorbereitung. „Die Betriebe können erforderliche Hilfestellungen bei der Verwaltung, Organisation und Durchführung der Ausbildung erhalten, um den reibungslosen Ablauf der Ausbil-dung und den Ausbildungserfolg zu sichern“, sagte Glawe. „Von der ´Assistierten Ausbildung´ profitieren sowohl die Jugendlichen als auch die Betriebe, die so ihre Fachkräftebasis sichern können und langfristig wettbewerbsfähig bleiben.“
„Der Ausbildungsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern hat sich in den letzten Jahren zum Bewerbermarkt entwickelt. Die Schere zwischen angebotenen Stellen und verfügbaren Bewerbern am Ausbildungsmarkt ist und bleibt eine zentrale Herausforderung. Angesichts dieser Lage können wir uns es nicht erlauben, auch nur einen Jugendlichen zu verlieren“, sagte Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit. „Die assistierte Ausbildung schafft Zugänge zur regulären Ausbildung für junge Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und unterstützt den erfolgreichen Ausbildungsabschluss. Assistierte Ausbildung ist kein Sonderweg, sondern eine ganz normale betriebliche Ausbildung. Die Ausbildungsverantwortung verbleibt – anders als bei außerbetrieblichen Berufsausbildungen – bei den Betrieben. Die Azubis arbeiten in einem ´normalen´ Betrieb, schließen einen ´normalen´ Ausbildungsvertrag ab und erhalten die ´normale´ Ausbildungsvergütung.“


Berufsorientierung als Chance zum Ausprobieren

Glawe und Haupt-Koopmann warben darüber hinaus dafür, auch die Möglichkeiten der Berufsorientierung zu nutzen. „Wichtig ist es, dass sich Betriebe für Schülerinnen und Schüler öffnen, sei es durch Firmenpraktika oder durch Schülerexkursionen in die Betriebe. Dazu haben wir im vergangenen Jahr die Berufsorientierung mit großem Erfolg neu ausgerichtet. Das ist eine Chance, sich frühzeitig beruflich auszuprobieren“, sagte Glawe. Mit den fünf Modulen der neuen Berufsorientierung - Berufswahlparcours, Betriebspraktika und Schülerexkursionen, Bewerbungstraining und Berufsorientierungscamp - wird die neue Berufsorientierung umgesetzt. Für das Schuljahr 2016/17 erwarten wir nach
den Voranmeldungen der Schulen rd. 16.000 Schülerinnen und Schüler. Das Wirtschaftsministerium unterstützt das Programm im Zeitraum 2015 bis 2021 mit Mitteln aus dem „Europäischen Sozialfonds“ (ESF) in Höhe von sieben Millionen Euro, die Bundesagentur für Arbeit trägt 6,7 Millionen Euro Unterstützung bei.

Jeder fünfte Ausbildungsplatz im Hotel- und Gastronomiebereich nicht besetzt

Insbesondere in der Hotel- und Gastronomiebranche fehlt der Nachwuchs. Seit Jahren führen sie die Liste der am wenigsten nachgefragten Ausbildungsberufe an: Koch/Köchin - Restaurantfachmann/-frau - Hotelfachmann/-frau - Fachkraft Gastgewerbe. Auch in diesem Jahr werden wieder Ausbildungsstellen gerade in der Hotel- und Gastronomiebranche nicht besetzt werden können. Nach den aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit konnten bis Ende Mai 5.489 Ausbildungsstellen nicht besetzt werden, davon allein 1.174 Stellen in den Ausbildungsberufen der Hotel- und Gastronomiebranche. „Jeder fünfte Ausbildungsplatz in den HoGa-Berufen kann derzeit nicht besetzt werden. Das ist gerade in dem für unser Land so wichtigen Bereich des Tourismus alarmierend“, so Glawe weiter. Insgesamt wurden der Bundesagentur 10.092 betriebliche Angebote gemeldet, 3.996 Bewerber sind noch unversorgt.

Appell an Unternehmen – zweiter Blick lohnt sich

Glawe appellierte an die Wirtschaft des Landes, ihre Ausbildungsanstrengungen weiter zu intensivieren und jungen Menschen eine Chance zu geben. „Es ist wichtig, dass sich Unternehmen auch für vermeintlich schwächere Jugendliche öffnen. Der Blick allein in die Schulzeugnisse greift zu kurz. Viele Unternehmen machen sehr positive Erfahrungen, wenn sie einen Jugendlichen in ein Praktikum übernehmen. Häufig wird dieser dann auch in eine Ausbildung übernommen. Also, es lohnt ein zweiter Blick – es geht auch darum, jungen Menschen eine Perspektive zum Hierbleiben in unserem Land aufzuzeigen. Viele Jugendliche verfügen oft über ungeahnte Fähigkeiten und Talente. Jede und jeder wird
gebraucht. Die duale Ausbildung ist für die Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern immer noch die beste Möglichkeit, ihren zukünftigen Fachkräftenachwuchs zu sichern“, betonte Glawe abschließend.

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