„Schulabbrecher“: Mecklenburg-Vorpommern gibt rote Laterne ab

Mecklenburg-Vorpommern steht seit 2014 nicht mehr an der Spitze der Länder, in denen es die meisten Schülerinnen und Schüler ohne anerkannten Schulabschluss gibt. Das geht aus einem bundesweiten Vergleich für das Schuljahr 2013/2014 hervor. In jenem Schuljahr haben in Mecklenburg-Vorpommern 8,4 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Schule ohne Berufsreife verlassen. Mecklenburg-Vorpommern zieht damit mit dem ostdeutschen PISA-Sieger Sachsen gleich. In Sachsen-Anhalt waren es 9,7 Prozent und in Berlin 9,2 Prozent.

„Die Berufsreife ist die Voraussetzung dafür, sich mit Erfolg auf einen Ausbildungsplatz bewerben zu können und in das Berufsleben zu starten", betonte Bildungsminister Mathias Brodkorb. „Für mich ist es eines der wichtigsten politischen Ziele in dieser Legislaturperiode, die Zahl der Schülerinnen und Schüler ohne Berufsreife deutlich zu reduzieren. In den letzten Jahren hat sich der entsprechende Wert etwa halbiert. Die von der Landesregierung ergriffenen Maßnahmen zeigen deutliche Wirkung“, sagte Brodkorb.

Zu den Faktoren des Erfolgs zählt das Bildungsministerium das Programm „Bildung macht stark“. Seit dem Schuljahr 2013/2014 erhalten Schülerinnen und Schüler an Regionalen Schulen und Gesamtschulen eine stärkere Förderung beim Lesen und im Fach Mathematik. Das flächendeckende freiwillige 10. Schuljahr bietet jährlich rund 400 Schülerinnen und Schülern an Förderschulen die Möglichkeit, die Schule mit der Berufsreife zu verlassen. Das Land finanziert dieses Angebot jährlich mit zusätzlichen Mitteln in Höhe von 2,5 Mio. Euro.

Seit dem Schuljahr 2014/2015 verstärken zusätzliche Erzieherinnen und Erzieher weiterführende Schulen, an denen besonders viele Schülerinnen und Schüler die Berufsreife nicht erlangen. Außerdem bieten die Volkshochschulen seit dem Schuljahr 2013/2014 das gebührenfreie Erlangen der Berufsreife an.

„Ein bundesweiter Vergleich der Quote der Schüler ohne Berufsreife ist sicherlich sinnvoll“, sagte Bildungsminister Brodkorb. „Bei einem Blick auf andere Daten wird allerdings deutlich: In Ostdeutschland gibt es zwar mehr Schülerinnen und Schüler ohne Berufsreife, dafür sind die Jugendlichen aber leistungsfähiger als ihre westdeutschen Altersgenossen. Offenbar sind die Leistungsanforderungen an den Schulen Ostdeutschlands also deutlich höher als im Westen. Wir könnten die ‚Schulabbrecherquote’, die in ganz Ostdeutschland etwa 8 Prozent beträgt, problemlos auf das westdeutsche Niveau absenken, wenn wir einfach die Leistungsanforderungen an die Schülerinnen und Schüler verringern würden. Aber das wäre Betrug an der Öffentlichkeit und jenen Schülerinnen und Schülern, die sich anstrengen und den Abschluss durch eigene Leistung schaffen. Daher kommt dieser Weg nicht in Frage“, so der Minister.

In Mecklenburg-Vorpommern sind neben den bestehenden Maßnahmen weitere Programme geplant bzw. bereits angelaufen. Seit dem Schuljahr 2015/2016 haben Schülerinnen und Schüler, die zum Ende des vergangenen Schuljahres das Klassenziel der Jahrgangsstufe 9 nicht erreicht haben, an ausgewählten Regionalen Schulen und Gesamtschulen die Möglichkeit, die Berufsreife in einem weiteren Schuljahr 9+ zu erwerben. Das Land finanziert das Angebot an neun Standorten mit 0,5 Mio. Euro. Darüber hinaus erhalten bis zu 400 Klassen mit schwierigen Lernergebnissen seit dem Schuljahr 2015/2016 bis 2022 zusätzliche Förderstunden. Das Land stellt dafür Mittel in Höhe von insgesamt 15 Mio. Euro bereit. Außerdem bietet das Land Lehrerinnen und Lehrern künftig Fortbildungen zu den Themenfeldern „Heterogenität“ und „Inklusion“ an. Dafür stehen bis zu 18 Mio. Euro bereit. Seit dem Schuljahr 2015/2016 können Teilnehmerinnen und Teilnehmer in VHS-Kursen außerdem das gebührenfreie Erreichen der Mittleren Reife anstreben. Das Land stellt für das gebührenfreie Nachholen der Schulabschlüsse jährlich 0,43 Mio. Euro zusätzlich zur Verfügung.

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